Lokalpolitisches Gedankengut - Der Goslar-Blog

Hin und wieder lass' ich es mir nicht nehmen, zum Tun oder Nichttun unserer lokalen Politik und Verwaltung ungefragt meinen Senf dazuzugeben. Einen Teil dieser spontanen Gedankenergüsse - teils für Außenstehende nicht ganz zu ergründen, weil die notwendigen Hintergrundinformationen fehlen - finden sich in dieser Rubrik.



Endlich! Denkmalschutz für unsere Sporthallen

(16. November 2011, auszugsweise veröffentlicht in der Goslarschen Zeitung)

Soso, die Kreisverwaltung Goslar hat angewiesen, dass in Sporthallen keine Lederbälle mehr verwendet werden dürfen, um möglichen Schäden vorzubeugen.

Das wurde aber auch Zeit: endlich gibt es in unserem Weltkulturerbe einen Denkmalschutz für unsere Sporthallen! Jedoch halte ich den Vorstoß des Landkreises für weiter ausbaufähig. Unsere Kinder sollten besser grundsätzlich Sprints nur noch auf Socken laufen, um den Hallenboden zu schonen. Matten sind persönlich mitzubringen, denn schließlich hat ja jedes Kind ohnehin eine Matratze zu Hause. In den Sanitärräumen sind vor jeder Sportstunde Folien auszulegen, um Wasserflecken zu vermeiden. Und in diesem Zusammenhang ist Schwitzen generell verboten, da die Luftfeuchtigkeit die Gebäudesubstanz angreift.

Nebenbei erinnere ich mich an die Turnhalle aus meiner Schulzeit. Dort gab' es mit Teppich gepolsterte Wände und hinter Gittern geschützte Zeitanzeigen - und spaßige Fußballduelle, die im drögen Pflichtprogramm des Schulsports stets die größte Begeisterung fanden. Sowas braucht man natürlich heute nicht mehr - schließlich können die Kids Fußball an der Playstation daddeln. Ist ja auch viel bequemer.

Leute, ihr habt doch - pardon - 'ne Klatsche!

 
Von Zwangsehen und Hochzeitsgeschenken

(23. März 2011)

Braunlage und St. Andreasberg haben es getan. Die Samtgemeinden Schladen und Oderwald reden darüber, ebenso die Samtgemeinden Schöppenstedt und Asse. Und nun auch noch Seesen und Bad Gandersheim - Ehen auf kommunaler Ebene scheinen groß in Mode zu sein. Warum auch nicht, wenn das Land mit kräftigen Entschuldung-Hochzeitsgeschenken winkt und mit dem netten Nachbarn ohnehin schon lange gut Kirschen essen ist.

Nur hat die Ehe, die zwischen Seesen und Gandersheim entstehen könnte, eine neue Dimension: die mögliche Stadt würde etwa 30.000 Einwohner zählen. Hier geht's nicht mehr darum, allein die Verwaltung einiger verstreuter Dörfer zusammenzulegen. Es erinnert eher an damals, 1972, als die bis dato selbstständige Stadt Oker in die Stadt Goslar eingemeindet wurde. Und sooo schlecht war dieser Deal für beide Parteien ja nicht, auch wenn mancher traditionsbewusste Stammtisch das heute vielleicht ganz anders sieht.

Im Zuge der allgemeinen Fusions-Leidenschaft in der Goslarschen Nachbarschaft ist das Gedankenspiel erlaubt, ob nicht auch Goslar (erneut) reif wäre für die Ehe. Obwohl das Land Niedersachsen Kommunen mit desolater Haushaltslage kräftige Entschuldungshilfen verspricht, ist im hochverschuldeten Goslar das Wort 'Städtefusion' noch nicht aufgetaucht. Warum eigentlich? Glaubt man nach wie vor daran, den Karren irgendwie alleine wieder aus dem Dreck ziehen zu können, beispielsweise indem man bei Neugeborenen einen Zuschuss zu ihrem Stoffsäckchen einspart oder dem Zinnfigurenmuseum das Wasser abgräbt? Wohl kaum.

Gelegenheit macht Liebe. Nur mit welchem Kandidat? Langelsheim wäre doch beispielsweise ein gar nicht mal so übler Partner für eine Vernunftsehe: vielleicht nicht überragend schön, aber wie sagt man so noch - "Da weiß man halt, was man hat". Der Ort selber ist nicht viel weiter entfernt vom Goslarer Stadtzentrum als Jerstedt oder Oberoker, die chemische Industrie im Innerstetal hat durchaus einen (steuerlichen) Reiz, während Hahnenklee-Bockswiese und Lautenthal droben im Wald touristisch betrachtet gemeinsame Sache machen dürfen.

Freilich, ich kenne die Bedingungen für die niedersächsischen Hochzeitsgeschenke nicht, aber könnte nicht irgendwer vom Rat einfach mal in Hannover anklopfen und fragen, ob es ein paar Euros dazu gäbe, würden Goslar und Langelsheim den heiligen Bund der (Zwangs-)Ehe eingehen? Von dem möglichen Einsparungspotential in der Verwaltung ganz abgesehen: mit dann etwa 54.000 Einwohnern hätte Goslar zumindest formell auf einen Schlag den Bürger-Exodus der letzten 30 Jahre wettgemacht. Goslar wäre endlich wieder wer, könnte die neu gewonnene Größe in die Waagschale werfen beim Kampf um Mittelzentrum-Förderung oder eingesparte Zugleistungen auf Nordharzer Eisenbahnstrecken. Und man könne selbstbewusst anderen Städtepartnerschaften Paroli bieten, sei es nun Seesen-Gandersheim oder was da sonst noch so auf uns zukommt.

Zuletzt muss Goslar auch zusehen, dass nicht am Ende nach lauter mehr oder weniger freiwilligen Ehen um uns herum gar kein potentieller Partner mehr übrig ist. Nichts ist trauriger als eine alte Jungfer, die beim Dating als letzte einsam am Tisch zurückbleibt.

 
So ein überflüssiges Theater!

(8. März 2011)

Jaja, das passt schon, was sich die Stadtoberen da mal wieder ausgedacht haben. Der Landkreis Goslar ist bekanntlich der am schnellsten alternde Landkreis in Niedersachsen. Daraus folgt: es gibt ohnehin bald kaum noch Schüler - und wer will schon etwas fördern, was dem Untergang geweiht ist und in absehbarer Zeit sowieso nicht mehr existiert? Das wäre doch rausgeschmissenes Geld!

Der Rat beweist mit dieser Aktion nichts als scharfsinnige Weitsicht: er gibt der Überalterung durch Unattraktivität einfach noch einen kleinen zusätzlichen Schub - und dann haben wir's bald hinter uns, können den Luxusartikel "Pädagogik" getrost den Städten überlassen, die sich auf das Übel Kinder einlassen - und uns selbst als Senioren-Stadt entspannt zurücklehnen und darüber sinnieren, wie schön ruhig es in der verwaisten Schul-Aula geworden ist.

 
Was sind schon 250.000 Euro Entschädigung ...

(25. Januar 2011, veröffentlicht in der Goslarschen Zeitung)

Ein politischer Rücktritt auf Druck der Öffentlichkeit tut zweifelsfrei beruflich wie privat weh; dass unser OB versucht, für sich das Beste aus dieser katastrophalen Phase seines Werdegangs zu holen und eine horrende Summe als Ablöse fordert, kann man daher irgendwie verstehen - so ist unsere Gesellschaft eben.

Jedoch steuert die Goslarsche Zeitung zufällig (?) eine bemerkenswerte Pointe zu dieser Tragikkomödie bei, wenn in der gleichen Ausgabe berichtet wird, dass die Stadt nicht in der Lage ist, 1200 Euro für die Stofftaschen einiger Babys aufzubringen. Da darf man sich zurecht fragen, ob unserem Protagonisten überhaupt noch klar ist, dass in seinem Parteibuch das Wort "Sozialdemokratisch" auftaucht. Oder er hat schlicht vergessen, wofür es eigentlich steht?

So oder so reiht sich diese Entschädigungsforderung nahtlos ein in die Fettnäpfchen-Parade, die Herr Binnewies in der politischen Goslar-Chronik hinterlassen wird - sicher auch weit, weit über den Abwahl-Tag hinaus. Es wird spannend, ob und oder wie schnell sich die SPD von diesem beschmutzten Etikett lösen können wird.

 
"Planspiele" fürs Odeon-Theater

(17. November 2010, veröffentlicht in der Goslarschen Zeitung)

Mit Planen kennt sich die Stadtverwaltung offenbar aus. Als im März 2009 die Stadtmauer im Park Ecke Nonnenweg/Clausthaler Straße einstürzte, kam auch erstmal 'ne Plane drüber. Zur Absicherung, während noch im gleichen Jahr ein Sanierungsvorschlag erarbeitet werden sollte. Getan hat sich bis heute natürlich nichts, die Plane liegt da immer noch. Dem Odeon prophezeie ich das gleiche Schicksal: ist die Plane erstmal eingezogen und droht keine Veranstaltung wegen Indoor-Regens mehr auszufallen, wird dieser Zustand so bleiben, während das Dach weiterhin vor sich hinmodert.

Die Aussage, die "Reparatur sei wegen des Regens von außen nicht möglich", setzt dem Ganzen noch die Krone auf, weil man außerhalb Goslars längst die erstaunliche Fähigkeit entwickelt hat, Dachreparaturen auch bei schlechtem Wetter zu bewerkstelligen. Irgendwie reiht sich ein solcher Satz nahtlos ein in die zahlreichen unausgegorenen, aber phantasievollen Statements, die der Verwaltung regelmäßig im Umgang mit dem Odeon einfallen.

Wahrlich ganz, ganz großes Theater.

 
Zur Namensgebung 'Stadt Oberharz am Brocken'

(27. Januar 2010, auszugsweise veröffentlicht in der Goslarschen Zeitung)

Der Etikettenschwindel ist durch, der Westharz steht bedeppert da. Wir können uns damit trösten, dass diese Namenswahl auf mangelndes Selbstbewusstsein zurückzuführen ist. Die neue Stadt hätte ja ebenso gut Elbingerode heißen können – 800 Jahre Tradition und nach wie vor Verwaltungssitz sprechen dafür. Aber wen kümmert das schon, wenn man mit irreführenden Namen viel besser Touristen in Reiseprospekten einfangen kann?

Zum 1. Januar wurde nördlich von Wernigerode still und leise die Gemeinde "Nordharz" aus der Taufe gehoben. Da gab' es keinen Aufschrei im Landkreis Goslar. Der Name "Nordharz" hat halt einfach weniger Vermarktungspotential. Beide Fälle belegen: Historie und Tradition ist uneffektiv, modernes Marketing ist alles, die geschichtlich geprägten und gewachsenen Orte prostituieren sich lieber für die Touristenschar, die hoffentlich gutes Geld dalässt. Bleibt nur noch abzuwarten, ob die neue Stadt "Oberharz am Brocken" demnächst ihr Namensrecht anwendet und andere Orte abmahnt, die mit den Zusatz "am Brocken" werben. In Zeiten klammer Kassen gar nicht so undenkbar.

Was bleibt dem Westen? Lernen vom Osten, und dann zum Gegenschlag übergehen. Auch wir könnten unsere Städte werbewirksam umbenennen. Beispielsweise "Goslar an der Brockenbahn". Sind zwar noch ein paar Kilometer Luftlinie, aber das kann man dem erwartungsfrohen Touristen ja auch noch beibringen, nachdem er sein Hotelzimmer bezogen hat.

 
Eine Stadt wrackt sich ab

(10. September 2009, auszugsweise veröffentlicht in der Goslarschen Zeitung)

Was sich in jüngster Zeit in Goslar abspielt, ist eine Posse, wie man sie nur in der tiefsten Provinz vorfinden kann. Und der Goslarer Bürger stellt sich mehr und mehr als hoffnungsloser Verlierer heraus. Erinnern wir uns kurz an die Neujahresansprache des Oberbürgermeisters zum Jahr 2009. Darin verkündete Binnewies, er sei sich sicher, "dass wir stark genug sind, auch zukünftig alle Hürden zu meistern".

Einige haben ihn beim Wort genommen, z.B. die Jungs vom GSC. Beeindruckend stark haben die sich den Aufstieg erkämpft und dabei geholfen, dass das verschlafene Goslar endlich mal wieder positive Nachrichten in die Welt tragen darf. Lohn der Stadt? Ein Strich durch die Rechnung, weil das Stadion nicht finanzierbar ist, was natürlich erst ein halbes Jahr verspätet auffällt. Aber liegt‘s tatsächlich am Geld? Nein, kann eigentlich nicht sein. Wenn ein Radiosender mit einem Eisblock überregional  - kostenfrei - Werbung für uns machen möchte, kann es sich die Stadt ja auch erlauben, dieses Geschenk abzulehnen. Weil es nicht zum historischen Marktplatz-Ambiente passt. Mal schauen, was im kommenden Frühjahr passiert, wenn die Stadt konsequenter Weise auch die völlig Mittelalter-untypische Veranstaltung "Goslarer Silber" absagen wird. Muss sie dann ja, wenn sie hinsichtlich der Eisblock-Geschichte ihr Gesicht nicht verlieren möchte. Wobei das Gesicht schon ein wenig angekratzt wurde, als das Haus in der Sommerwohlenstraße quasi über Nacht abgerissen wurde. Auf Anweisung der Stadt, natürlich. Das Fernhalten (insbesondere für den Bürger) abwechslungsreicher Veranstaltungen auf dem Markt hat halt eine höhere Priorität als der Denkmalschutz.

Getoppt werden kann das nur vom grandiosen Odeon-Theater (man beachte die wunderschöne wörtliche Doppeldeutigkeit). Hier wird versucht, die Last der Veranstaltungen UND Gebäude gleichermaßen zu entsorgen. Und wieder findet man eine verdeckte Ankündigung dazu in der OB-Neujahresrede, wo vom "Abbau von Leerständen" die Rede ist.

Das Odeon ist irgendwie ein Sinnbild dessen, was derzeit in Goslar passiert. Die Immobilie wird so lange runtergewirtschaftet, bis man sie abreißen darf und sich damit aller Sorgen entledigt. Keine Regionalliga für den GSC, kein Eisblock-Spektakel als willkommene Abwechslung, düstere Aussichten für die theaterbegeisterten Bürger - Goslar macht sich für die eigenen Einwohner seit Jahren unattraktiver, wrackt  sich selber ab. Und in den zahlreichen nicht nachvollziehbaren Entscheidungen des Rates scheint dies die einzige auffindbare, durchgängige Konsequenz zu sein.

Nochmal zurück zur Neujahresrede des OB: "Unser gemeinsames Ziel sollte es daher sein, Goslar als attraktiven Wohnort weiter zu stärken" hieß es da. Herr Oberbürgermeister, stehen Sie zu Ihrem Wort?

 
Abriss mit zweierlei Maß

(10. Dezember 2008, auszugsweise veröffentlicht in der Goslarschen Zeitung)

Es entbehrt nicht einer gewissen Komik, dass unser Stadtoberhaubt einen Abriss der Oker-Pavillons über ungeklärte Eigentumsverhältnisse hinweg durchzusetzten versucht ("wenn die eine Hälfte weg ist, könne die andere dort nicht stehen bleiben"), zeitgleich aber die Stadtverwaltung den bereits begonnenen Abriss des BW-Lokschuppens stoppt, u.a. wegen "ungeklärter Eigentumsverhältnisse" (Roßdeutscher).

Kleiner Tipp an das Göttinger Unternehmen: von dem Schuppen steht mittlerweile auch nur noch eine Hälfte; den brachialen Worten des OB zur Folge ist ist doch ein Freibrief für den weiteren Abriss. Aber wenn selbst die Stadtverwaltung solche Formulierungen gelegentlich "unzutreffend werten" kann, sollte der Normalbürger wohl gar nicht erst deren Bedeutung zu analysieren versuchen und ggf. letztendlich an seiner eigenen Auffassungsgabe zweifeln.

Überdies ist es bemerkenswert, dass die Stadt bei der Ansiedlung eines Wirtschaftsbetriebes jenes Unternehmen davon abhält, die Steine, die ihm im Weg liegen, selber wegzuräumen. Andere Kommunen würden sich nach einem Betrieb, der ein schadstoffbelastetes Grundstück reaktivieren möchte, die Finger lecken und den Boden nötigenfalls selbst mit eigenen Händen abtragen; Wirtschaftsförderung könne man das umschreiben. Wundern braucht man sich über die Goslarer Vorgänge jedoch nicht, verständlicherweise erfordert der Abriss einiger Pavillions derzeit die volle Aufmerksamkeit sämtlicher Verwaltungsebenen.

 
Auf den Hund gekommen

(1. Juli 2008, auszugsweise veröffentlicht in der Goslarschen Zeitung)

Eindämmung der Hundehaltung als ordnungspolitischer Nebenaspekt? Ja wunderbar, bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 15 Jahren wird diese Maßnahme einschlagen wie eine Bombe. Hundebesitzer können ihren Liebling am besten am nächsten Baum aufknüpfen, um diesem Stadtwillen nachzukommen. Oder vielleicht doch lieber ins Tierheim bringen? Ach nee, geht ja nicht, das Heim wird ja derzeit von der Gose weggespült und auch dabei von der Stadt allein gelassen.

Hundehalter, die sich den Luxus „Tier" aus Mitgefühl und Tierliebe gönnen, finanziell bluten zu lassen, um die städtischen Finanzen zu korrigieren und dann auch noch ungeniert zuzugeben, dass diese Steuererhöhung in keiner Weise eine Gegenleistung erfüllt, ist dreist und beschämend. Gerechtere, innovative Alternativen z.B. durch eine geringe Steuer für ehemalige Heimtiere und gleichzeitig höhere Steuer für teure Rassehunde wurden nicht hinterfragt. So bleibt es - mal wieder - nur bei der Schröpfung der ohnehin gebeutelten Bürger, ohne den Aspekt sozialer Gerechtigkeit, weil es Oma mit ihrem Schoßhund genauso trifft wie den reichen Rassehund-Eigentümer. Eine kleine Wiedergutmachung wäre tatsächlich die Instandsetzung der Tierheim-Fundamente - damit die gewünschte Eindämmung der Hundehaltung zumindest in dieser Form in kontrollierten Bahnen verläuft.

 
Zur Absage des Walpurgismarktes in Goslar

(27. Februar 2008, auszugsweise veröffentlicht in der Goslarschen Zeitung)

Das Internet-Nachschlagewerk Wikipedia listet für Goslar derzeit immerhin 13 regelmäßige Veranstaltungen - inkl. Hansetage und Walpurgismarkt, die nun wegfallen. Das ist schon ein wenig so, als würden wir einfach eine unserer historischen Sehenswürdigkeiten abreißen - hah, es gibt ja noch genug andere.

Undenkbar? Vielleicht, aber wo liegt der Unterschied? Für den Touristen von außerhalb mag es verzeihbar sein, (mal wieder) eine Veranstaltung zu streichen. Aber die Goslarer Bürger leben mehr und mehr in einer langweiligen Stadt, die sich lieber mit den stummen Zeugen der Vergangenheit schmückt als mit der lebensfrohen Gegenwart.

Bemerkenswert ist, dass diese Walpurgis-Diskussion ausgerechnet wenige Tage nach der so umjubelten Abschiedsfete in der Kaiserpassage auftritt. Dabei bewies doch jener Abend eindrucksvoll, dass gerade solche besonderen Anlässe die Massen in die Stadt lockt. Und genau jene Partys - die bürgernahen Erlebnisse - werden nun gestrichen.

In der formulierten Überschrift der GZ ist die Frage nach Party pur oder nur Kultur gestellt. Dabei müsste es eigentlich heißen: Party, Kultur oder Kommerz? Denn was am Ende übrig bleibt, sind die Verkaufsveranstaltungen. Lange-Shopping-Nacht, Autopräsentation auf dem Marktplatz, verkaufsoffene Sonntage, um zum Welterbetag in die Stadt zu locken. Und dieser Trend ist viel trostloser als Party und/oder Kultur.

Nur kann man dies gerade der GMG nicht verübeln. Die Marketing-Gesellschaft tut erfolgreich, was sie am besten kann: vermarkten. Das lässt sich beim vorhandenen Welterbe leicht umsetzen, schließlich sind Kaiserpfalz und Kirchen ja schon da und müssen nicht vom viel zu knappen Budget erst noch erschaffen werden. Bei Veranstaltungen dagegen sieht es ganz anders aus - hier ist viel Geld notwendig, um was nachhaltig Beeindruckendes auf die Beine zu stellen. Aber woher soll das Geld kommen, wenn seitens der Stadt die Mittel immer mehr gekürzt werden? Es ist löblich, dass der Handel hier in die Bresche spring, aber dann darf man sich nicht beschweren, wenn sich am Ende alles nur noch ums Shoppen dreht und alle Party- und Kulturveranstaltungen verloren gehen. Dass es bei diesem aktuellen Streitthema außerdem nicht nur das Geld eine Rolle spielt, sondern auch bei der Organisation Stadt und GMG völlig gegeineinander arbeiten, ist erschreckend. Das Veranstaltungsmanagement gehört in die Hände der GMG, und die Stadt sollte ihr Möglichstes tun, deren Arbeit unbürokratisch zu unterstützen, statt eigenständig Terminkollisionen zu provozieren oder öffentlichte Plätze zu verweigern.

Unterm Strich ist diese Entwicklung absolut schädlich für eine so tradionsreiche Stadt wie Goslar. Auch wenn zuletzt um die Qualität der Walpurgis-Party stets gestritten wurde, war sie doch zumindest immer da; Walpurgis gehört nun mal einfach in eine Harzer Stadt. Nun reiht sich dieses Highlight ein in einst so erfolgreiche, aber trotzdem beerdigte Veranstaltungen wie die "Phantastische Pfalz" oder den gelungenen "Moonwalk".

Es ist traurig, dass dies den Stadtoberen völlig egal zu sein scheint. Jedenfalls darf dann seitens der Stadt eigentlich niemand mehr jammern, der Ostharz würde uns so langsam abhängen. Zumindest in dieser Angelegenheit sind wir es selber, die sich aufs Abstellgleis rollen lassen.

 
Verfehlte Kulturpolitik: 45.000 Euro Zuschuss für 'Rosenstolz'

(8. März 2007, auszugsweise veröffentlicht in der Goslarschen Zeitung)

Wunderbar, dass genau diese beiden Berichte in einer Ausgabe der GZ Platz gefunden haben: da wird auf der einen Seite stolz berichtet, dass die Finanzierung für das Konzert der gehypten Modeband Rosenstolz steht, weil die Stadt Kosten in Höhe von 45.000 Euro übernimmt. Und eine Seite zuvor darf man lesen, dass die lokalen Bands für ihre Proberäume 240 Prozent der bisherigen Miete aufbringen sollen. Wohlgemerkt: junge Menschen, die mit ihrer Freizeit äußert kreativ umgehen, mit Hoffnungen und Visionen an eigenen künstlerischen Leistungen feilen, statt wie manch anderer Blumenkästen in die Abzucht zu schmeißen.

Sicherlich, kostendeckend sind die 120 Euro immer noch nicht. Aber scheinbar ist ja einfacher (kostendeckender?), das (ausgeliehene) Tafelsilber zu polieren und einer finanziell erfolgreichen Band 45.000 Euro hinterher zu tragen. Wen kümmern da die 70 Euro, die das traurige Aus mancher hoffnungsvollen Band unserer Stadt bedeuten kann. Und dass andere ehrenamtliche Vereine für kulturelle Veranstaltungen beispielsweise in der Kaiserpfalz nicht nur eine ganze Latte von horrenden Gebühren, sondern auch noch einen (hoch) geschätzten Einnahmeausfall an die Stadt berappen müssen, sei hier nur mal am Rande erwähnt. Ich halte das für eine völlig verfehlte Kulturpolitik.